Angestellt oder selbstständig – Vorzüge und Risiken

Dass die Arbeitswelt 3.0 mit vielen Facetten nach Veränderung ruft, ist keine Neuigkeit. Zwischen Globalisierung und Branchenanforderungen ändern sich für viele die Voraussetzungen. Die wirtschaftlichen Katastrophen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte zwischen amerikanischer Immobilienblase und Rettungsschirmen innerhalb der EU zwingen viele, die Fixkosten so gering wie möglich zu halten. Auf den Worst Case will und muss man vorbereitet sein. Das ist vielen Unternehmen nur möglich, indem der Faktor Personalkosten aufs Notwendigste reduziert wird. Auch aus diesem Grund werden viele Dienstleistungen outgesourced. Der Vorteil für Firmen ist, dass sie in saisonal auftragsarmen Zeiten keine Gehälter und Lohnnebenkosten stemmen müssen, die nicht durch entsprechende Umsätze abgedeckt sind. Zudem gibt es keine Kündigungsfristen; man ist sich wohlgesonnen, aber nicht verpflichtet.

Kosten-/Nutzenrechnung bestens überdenken

Diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist für Jobsuchende Nachteil und Vorteil zugleich; individuell abhängig von den persönlichen Vorstellungen, Wünschen und Lebensumständen. Kreative und Spezialisierte aus den unterschiedlichsten Gebieten können ihre Dienste als Kleinunternehmer oder Subunternehmer anbieten. Oftmals ist die Bezahlung für extern vergebene Aufträge durchaus angenehm. Zumindest auf den ersten Blick. Denn, wer sich mit dem Gedanken trägt, sich selbstständig zu machen, muss sich vor Augen halten: Sämtliche Lohnnebenkosten, die bei einem festen Angestelltenverhältnis vom Arbeitgeber getragen werden, muss er per sofort aus eigener Tasche bezahlen. Und die Kosten eines Unternehmens – ob Klein- oder Mittelstand oder Großunternehmen – haben bekanntlich den Charakter eines Eisbergs: Nur eine winzige Spitze erscheint an der Oberfläche.

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Vielfältige Gründe für die Entscheidung zur Selbstständigkeit

Der Traum von der Selbstständigkeit ist häufig eine nicht wirklich geplante Entwicklung. Im Unternehmen hat es offizielle Stellenstreichungen gegeben. Dennoch steht das Angebot im Raum, IT-Dienstleistungen oder Verwaltungsaufgaben weiterhin auf selbstständiger Basis auszuführen. Die Familie ist umgezogen, weil einer der Partner den Zuschlag für einen lukrativen Job in einer anderen Stadt erhalten hat. Der oder die andere hat noch keine neue Perspektive und verdient sich mit Transkriptionen von zu Hause etwas hinzu. Die junge Familie freut sich über Nachwuchs. Obschon jetzt die Mutterschutzzeit beginnt, ist noch nicht entschieden, wann und ob Mutter oder Vater wieder in den eigentlichen Job zurückkehren möchten. Sie besitzen aber spezielle Fähigkeiten, die sie unschwer vom Homeoffice anbieten und verkaufen können. Der Vorzug ist die extreme Unabhängigkeit von vorher definierten Arbeitszeiten; der Nachteil ist die Abhängigkeit und die Notwendigkeit von Auftraggebern, die regelmäßig mit neuen Aufgaben winken.

Beim Auslagern von Dienstleistungen müssen Vorgaben beachtet werden

Das Outsourcen – gerade an ehemalige Mitarbeiter – birgt weitere Gefahren. Eines der Risiken ist das der Scheinselbstständigkeit. Der Zoll und die Sozialprüfer sind gerade aufgrund des Entsendegesetzes und dem flächendeckend eingeführten Mindestlohn gegenwärtig sehr sensibel. Es gibt zahlreiche Vorgaben, ab wann eine Selbstständigkeit – auch als Kleinunternehmer – überhaupt als solche bezeichnet werden kann. Ganz simpel und rudimentär müssen zunächst mehrere Kunden vorhanden sein. Die Arbeit für ausschließlich einen Auftraggeber ist per Definition keine Selbstständigkeit, sondern eine Scheinselbstständigkeit. Das heißt im Falle einer Prüfung: Das Unternehmen, dass sich in dieser Hinsicht nicht ausreichend abgesichert hat, muss im schlechtesten Fall sämtliche Sozialversicherungskosten für den externen Mitarbeiter nachzahlen und kann zudem noch mit weiteren Forderungen rechnen. Für die Kleinunternehmer bedeutet das, das Leben könnte zwar ganz gemütlich sein, aber die Realität sieht anders aus.

Zwischen Lebensqualität und sozialer Sicherheit

Ganz sicher heißt das nicht, dass der Sprung in die Selbstständigkeit z.B. als freier Handelsunternehmer oder als kreativer Kopf nicht machbar oder zu gefährlich ist; ganz im Gegenteil. Noch immer ist mit den passenden Fähigkeiten alles möglich, wovon Sie träumen. Keinesfalls allerdings sollten Sie vollkommen blauäugig in eine solche Lebensphase starten, sondern zuvor so viele Informationen wie möglich einholen. Und vor allem sollten Sie sich Ihres eigenen Marktwertes und Ihrer Potenziale bewusst sein. Immer mehr Startups zeigen erfolgreich, auf welch innovative Überholspur man sich begeben kann. Weitaus mehr von ihnen verschwinden aber auch wieder schnellstens in der Versenkung – meistens deshalb, weil sie zuvor keine vernünftige und stimmige Situationsanalyse durchgeführt haben. Hilfreich können Beratungsgespräche mit Existenzberatern der Jobagentur für Arbeit, mit dem Steuerberater, mit dem Finanzamt und vielen weiteren sein. Soviel ist klar: Die soziale Absicherung ist im Angestelltenverhältnis eindeutig besser; die Regelmäßigkeit im Privatleben gesicherter. Demgegenüber sind die Chancen auch eingeschränkter und die Stellenangebote sind begrenzt. Wer den Mut hat sich durchzusetzen, kann als Kleinunternehmer oder Subunternehmer sein persönliches und finanzielles Glück finden. Die Jobsuche und die Jobmöglichkeiten werden mit einer solchen Entscheidung um ein Vielfaches ausgeweitet.

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