Sich selbst finanzieren oder den Eltern auf der sprichwörtlichen Tasche liegen?

Als Schüler ein paar Euro verdienen und sich eigene Wünsche erfüllen, neben der Ausbildung mit Nebenjobs die Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger zu erhöhen oder neben dem Studium zu jobben – die Gründe sind so vielfältig wie für jeden nachvollziehbar. Nicht jeder kommt aus gutbetuchtem Haushalt. Trotzdem möchte man sich etwas leisten können. Wirklich machbar ist das erst ab einem Alter von 15 Jahren. Schüler können dann einem Nebenjob nachgehen, immerhin bis zu 40 Stunden pro Woche sind gesetzlich erlaubt. Problematischer ist das für Azubis. Die benötigen wie jeder andere Arbeitnehmer eine Einwilligung des Ausbildungsbetriebes. Der Grundsatz ist meistens: Die eigentlich Arbeits- bzw. Ausbildungszeit darf darunter nicht leiden. Also: kaum möglich. Studenten sind neben BAFöG oder Unterhalt auf den Zusatzverdienst oftmals angewiesen. Für sie gelten spezielle Bestimmungen, damit sie ihren Studenten-Status nicht gefährden.

Zwischen anerkennenswerten Fleiß und Sinnhaftigkeit

Zunächst sei eines gesagt: Respekt! Die vielen Fleißigen, die sich mit den unterschiedlichsten Jobs über Wasser halten, zeigen häufig enormen Einsatz. Die Kids schnuppern auf unkonventionelle Weise in die Arbeitswelt. Sie gehen Jobs nach, die teils sehr bodenständig, teils kurios sind und meistens auch mit Lifestyle zu tun haben. Es gibt Hundesitter, Zeitschriftenzusteller, Pizza-Auslieferer. Andere geben Nachhilfeunterricht oder Musikstunden, machen Einkäufe für Senioren oder sind – je nach Alter – in der Gastronomie tätig. Viele Studenten haben häufig nur die zähneknirschende Wahl, die Eltern zur Kasse zu bitten oder das Studium durch eigenhändige Arbeit zu finanzieren. Das BAFöG reicht vorne und hinten nicht; erst recht dann, wenn man nicht mehr zu Hause wohnt, möglicherweise sogar in einer fremden Stadt studiert. Die studentischen Vergünstigungen, beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr, sind angenehmen; doch sie tropfen kaum bemerkt auf den heißen Stein. Drei, vier oder fünf Jahre darben und auf die simpelsten Dinge verzichten möchte keiner. Und immer wieder ist die Dramatik zu beobachten, dass die Menschen das Studium abbrechen, weil’s einfach finanziell nicht mehr geht.

Studenten und Nebenverdienst – komplizierter geht’s kaum

Studenten dürfen bis zu 20 Stunden wöchentlich tätig sein, ohne ihren Studentenstatus zu verlieren. Abgesehen von dieser Wochenarbeitszeit gibt es allerdings weitere restriktive Vorschriften, die ein entspanntes Leben nicht unbedingt forcieren. Der Lohn darf geringfügige Grenzen nicht überschreiten. Andernfalls wird aus der Familienmitversicherung die studentische Krankenversicherung. Was über gewissen Grenzen verdient wird, streicht das BAFöG-Amt wieder weg. Das finanzielle Hamsterrad dreht kuriose Kurven. Beim BAFöG-Bezug gibt es verschiedene Modelle, teilweise wird es auf Kredit-Basis gewährt und muss nach dem Studium zurückgezahlt werden; die Höhe der Bezüge ist abhängig von der Leistungsfähigkeit der Eltern. Nur logisch, letztlich ist es eine Unterhaltsersatzleistung. Jährlich müssen die Anträge neu gestellt werden. Der Student wird zum administrativen Selbstverwalter.

Studentenjobs helfen aktuell und bereiten auf die Zukunft vor

Auch vor diesem Hintergrund haben sich zahlreiche Studentenjobs entwickelt. Neu ist das nicht mehr; ganz im Gegenteil. Das Besondere an den Studentenjobs ist, dass sie in den allermeisten Fällen direkten Bezug zum Studienfach haben und auch entsprechend anspruchsvoll sind. Innovative Arbeitgeber – oftmals direkt angebunden an die Universität oder Fachhochschule oder sogar auf dem Campus ansässig – setzen auf diese Menschen; und die Entlohnung ist meistens fair bis sehr gut. Eine weitere Variante ist die Arbeit während der Semesterferien. Etliche industrielle Firmen haben sich darauf eingestellt, Arbeitsspitzen in diesen Zeiten durch Studenten abzudecken. Zwischen persönlichem Wollen und den individuellen Notwendigkeiten gibt es reichlich Möglichkeiten, das Konto aufzubessern. Allerdings:

Die Frage nach dem Sinn muss erlaubt sein

Der politische und gesellschaftliche Umgang mit diesem Thema bleibt fragwürdig. An den Universitäten soll die Elite des künftigen Fortschritts herangezogen werden – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Statt das unbelastete Lernen und Studieren zu ermöglichen, wird das, was einem Studenten monatlich zur Verfügung steht, auf sehr niedrigem Niveau gedeckelt. Leicht kommt der Gedanke auf, dass heutzutage zwar jeder studieren kann. Weil aber denjenigen, die sich selber finanzieren müssen, der Gürtel mehr als eng geschnallt wird, könnte es unschwer passieren, dass die erfolgreichsten Absolventen am Ende wieder aus der ehemaligen Elite stammen. Nämlich aus den oberen Gesellschaftsschichten, bei denen die Eltern über ein ausreichend großes Polster verfügen, um ihre Kinder auf hohem Niveau zu unterstützen. Somit bleibt es Tatsache: Es geht nicht darum, ob man den Eltern auf der Tasche liegen will; häufig geht es gar nicht anders. Und schuld daran ist ganz sicher nicht der Student. Wer an der künftigen Elite spart, riskiert den dauerhaften Fortschritt von Land, Wirtschaft und Gesellschaft.

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