Wenn die Kopfjäger anrufen – Ehre und Risiko zugleich

Headhunter sind eine ganz besonders Spezies der Unternehmensberater. Der Begriff ist durchaus ernst zu nehmen, wenngleich er im Sprachgebrauch ein wenig belastet ist. Der Grund: Headhunter sind nur bei den Unternehmen, von denen Sie ihre Aufträge erhalten, wirklich beliebt. Bei den Unternehmen, von denen Sie Führungskräfte abwerben, ganz sicher nicht. Sie fischen nach Personal auf Managementebene. Und sie fischen eindeutig in fremden Gewässern. Und dabei wissen sie ganz genau, was sie tun. Wer einen Anruf vom Headhunter bekommt, darf sich berechtigterweise geehrt fühlen. Er – oder sie – hat sich einen anerkannten Marktwert und eine entsprechende Marktpräsenz gesichert. Allerdings: Weder das schulterklopfende Gefühl noch den Anruf überhaupt darf man sich spontan anmerken lassen.

Unbedingte Diskretion wahren

Die berüchtigte Formulierung könnte aus einem James Bond-Film stammen: „Können Sie frei reden?“ Klingt geheimnisvoll – ist es auch. Und exakt so wird sich vermutlich die komplette, erste Unterhaltung gestalten. Mindestens zwei Dinge sind bei dieser überraschenden Kontaktaufnahme besonders wichtig. Erstens: Sprechen Sie wirklich nur dann mit dem Headhunter, wenn wirklich niemand anders Ihnen zuhören kann. Falls irgendwer anders sich im Zimmer befindet, dann sagen Sie ohne Namensnennung „Nein im Augenblick nicht“ und lassen sich die Rückrufnummer geben. Das Gespräch ist definitiv nur für vier Ohren bestimmt.

Souverän die eigene Verhandlungsposition stärken

Zweitens lassen Sie sich nicht anmerken, dass Sie sich durch diesen Anruf geehrt fühlen. Denn eins ist bei aller Ehre sicher: Der Headhunter handelt im Auftrag. Somit hat die Verhandlung über Konditionen und Rahmenbedingungen bereits in der ersten Gesprächssekunde begonnen. Reagieren Sie freundlich und höflich, aber weitgehend emotionsfrei. Alle anderen Signale könnten Ihre Verhandlungsposition schwächen – so Sie denn überhaupt daran interessiert sind, für ein anderes Unternehmen tätig zu werden. Nehmen Sie eine Haltung zwischen Gelassenheit, Souveränität und höflichem Interesse ein, nicht mehr! Würden Sie zu schnell signalisieren, nach einer Alternative zum jetzigen Posten zu suchen, ließe sich heraushören, dass Sie möglicherweise sogar auf ein solches Angebot gewartet haben, fällt das erzielbare Einkommen wie der DAX nach einem Staatsbankrott.

Mechanismen und ungeschriebene Gesetze beachten

Per sofort sitzen Sie am Roulettetisch des Arbeitsmarktes auf höchster Ebene. Der schreibt ganz eigene Gesetze und besitzt zudem eine spezielle Ausdrucksweise. Das No-go schlechthin: Die Frage nach dem Namen des Unternehmens, für das Sie tätig werden sollen. Der Name wird ganz sicher nicht genannt; also wird auch nicht danach gefragt. Ein ungeschriebenes Gesetz. Wer diesen Verhaltenskodex missachtet, steht per sofort im Abseits. Durchaus kann aber danach gefragt werden, aus welcher Branche das Unternehmen stammt. Auch auf die Umsatzgröße oder Marktposition kann eingegangen werden. Ebenfalls auf die für Sie angedachte Position, die Dotierung und – allerdings höchstenfalls vorsichtig – inwieweit die Marktpräsenz des anderen Unternehmens sich mit ihrem aktuellen Arbeitgeber überschneidet. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es aus dem unmittelbaren Konkurrenzumfeld stammt.

Sich des Risikos bewusst sein.

Weshalb die Headhunter von Ihrem Arbeitgeber so unerwünscht sind, liegt auf der Hand: Sie werben im Normalfall Spitzenkräfte ab. Bis Sie die volle Bandbreite ihrer Fachkompetenz und ihrer Führungsqualitäten erlangt haben, hat es lange gedauert. Die Investition für diese nachhaltige Ausbildung hat Ihr aktueller Arbeitgeber getragen. Zudem wird durch das Abwerben von Top-Mitarbeitern das jeweilige Unternehmen strukturell geschwächt. Hinzu kommt, dass der Arbeitnehmer über Interna informiert ist, die er trotz Wettbewerbs- und Verschwiegenheitsklauseln aktiv gegen das Unternehmen einsetzen könnte. In den unterschiedlichsten Unternehmen, gerade auf Konzernebene und börsennotiertem Niveau, wird mit harten Bandagen gespielt. Das ist nicht der Transfer-Ticker der Bundesliga, sondern eine riskante Ecke, in die Sie sich damit begeben. Denn in der Praxis kommt es sogar vor, dass Unternehmen Headhunter auf die EIGENEN Mitarbeiter und Managementkräfte ansetzen, um sich ihrer Loyalität zu vergewissern. Also, immer Ruhe bewahren.

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