Stichwort Bewerbungsfoto – klassisch oder individuell?

Immer wieder diskutiert wird, welchen Vorgaben ein Foto in der Bewerbung entsprechen soll. Soll es traditionell freundlich, seriös, aber möglicherweise frei von Individualität und Aussagekraft sein? Sind die Anforderungen überhaupt noch zeitgemäß und wer legt die fest? Die Antwort ist so simpel wie entwaffnend: Nein, die sind nicht zeitgemäß. Aber das ist vollkommen irrelevant. Denn die gewünschte Form wird von den Recruitern und Personalern vorgegeben. Daran hat man – oder frau – sich zu halten. Und die wollen bislang nichts Neues. Auch nicht in einer Online- oder E-Mail-Bewerbung.

Zwischen Tradition und Modernität

Dass die Unternehmen sich mit dem Festhalten an dem traditionellen Fotoformat selbst um die Chance bringen, gleich zu Beginn des Bewerbungsverfahrens etwas über die Individualität der Jobsuchenden zu erfahren, mag sein. Vielen ist auch vollkommen bewusst, dass die Bilder in einer Bewerbung häufig nichts mit der realen Person zu tun haben, die letztlich zum Vorstellungsgespräch erscheint. Die Aussagekraft ist gering bis gar nicht vorhanden. Das gestriegelte Sonntagslächeln im Konfirmationsanzug ist vermutlich auch noch vom Fotografen retuschiert worden. Was wäre, wenn jeder sich so darstellen könnte, wie er oder sie sich am besten und idealsten fühlt. Dadurch könnte der erste Eindruck ein ganz anderer sein. Es ließe sich damit sogar eingrenzen, wie gut die Person in das vorhandene Team passt. Sei’s drum; diese Überlegung ist in den Personaletagen zwar vorhanden. Es hapert an der Umsetzung. Also bleiben wir bei der klassischen Variante.

Kein Zwang, aber ein deutlicher Vorteil

Gemäß Antidiskriminierungsgesetz gehört das Bewerbungsfoto nicht mehr verpflichtend in die Bewerbungsmappe. Gefordert werden darf das von den Unternehmen nicht. In der Realität sieht das anders aus. Wer für den optimalen ersten Eindruck sorgen möchte, packt ein Bild dabei – und zwar ein möglichst optimales. Aber was heißt „optimal“ in diesem Fall? Freundlich, aber nicht aufgesetzt; der angestrebten Position im Unternehmen angemessen, aber nicht überzogen. Leicht gesagt. Und wie macht man das? Die eigentlichen Tricks kennt der Fotograf und exakt dort sollte es auch unter professionellen Bedingungen gemacht werden. Denn die wichtigste Grundlage für absolut jedes Foto ist die perfekte Ausleuchtung. Dafür wird professionelles Equipment benötigt, das zu Hause kaum zur Verfügung steht. Hier zu sparen, ist definitiv der falsche Weg.

Streitfaktor Fotoformat

Interessant ist, dass es keine einheitlich festgeschriebene Größe gibt. Die Empfehlungen weichen voneinander ab. Viele Experten gehen davon aus, dass das Bewerbungsfoto höchstens 4,5 x 6 cm groß sein sollte. Andere empfinden das als zu klein. Übergreifend lässt sich sagen, dass die mittlere Größe im Hochformat am besten passt. Was exakt richtig ist, entscheidet sich auch daran, ob Sie sich auf einen kreativen oder einen schlichtweg kaufmännischen Beruf bewerben. Im letzteren Fall ist die dezente Eigendarstellung eher angesagt.

Gepflegte Sympathie

Selbstredend ist der gepflegte Eindruck wichtig. Die Haare sind ordentlich gekämmt; Hemden, Blusen und andere Kleidungsstücke sind falten- und fleckenfrei. Der Krawattenknoten ist perfekt gebunden. Wenn Sie das nicht können, lassen Sie sich ganz einfach helfen. Und jetzt geht’s an die Körper-, Kopf- und Gesichtshaltung. Stellen Sie sich vor, Sie würden bereits für den Betrieb arbeiten. Sie kennen die Unternehmensphilosophie und haben auf der Homepage der Firma auch nachverfolgt, wie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich darstellen. Sie lassen sich auf diese Atmosphäre ein und fühlen sich als Teil des Teams. Ihre Körperhaltung ist leicht gespannt, die Schultern sind aufrecht. Und das eigentliche Argument – Ihr Lächeln – überzeugt mit purer Sympathie. Die Augen sind geöffnet und der Fotograf drückt exakt in dem Moment ab, wenn Sie mit den Augen geblinzelt haben. Wie ein Fotomodell – diese Profis kennen den Trick.

Ein Blick über den Social-Media-Tellerrand

Ganz nebenbei, wo wir gerade beim Thema „Foto“ sind: Gerade in der jungen Generationen hat fast jeder eine Facebook-Seite, wirft Sprüche auf twitter oder platziert Fotos auf Instagram oder Pinterest. Die selbstdarstellenden Inhalte bevölkern das Netz, sind von nahezu jedem einsehbar und sind wie die SMS am Tag danach nicht selten fragwürdig bis kontraproduktiv. Im privaten Umfeld kann man sich das erlauben – meistens. Im beruflichen Zusammenhang allerdings nicht. Das Problem:  Die Unternehmen haben auch schon gehört, dass es das Internet gibt. Und so, wie Sie sich über den potenziellen Arbeitgeber informieren, können Sie davon ausgehen, dass auch die Personalverantwortlichen nicht auf einem Baum aufgewachsen sind. Also: Achtung mit der Eigendarstellung und extravaganten Fotos in sozialen Netzwerken; der Schuss kann ganz leicht nach hinten losgehen.

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